[Einordnung · Studienlage]
Was gesichert ist, und was Mythos bleibt
Kreatin ist ein Nahrungsergänzungsmittel und zugleich ein körpereigener Stoff aus den Aminosäuren Glycin, Arginin und Methionin. Die Leber bildet Kreatin über die Vorstufe Guanidinoessigsäure, den Rest deckt die Ernährung, vor allem Fleisch und Fisch. Im Skelettmuskel liegt Kreatin als Phosphokreatin und übernimmt die schnelle Energiebereitstellung: Es lädt verbrauchtes Adenosindiphosphat wieder zu Adenosintriphosphat auf. Dieser Speichereffekt trägt den Muskelaufbau und die Kraftleistung im Krafttraining, und er erklärt, warum Kreatin kein Booster für den einzelnen Satz ist. Im Englischen heißt der Stoff Creatine, chemisch meint das dasselbe Monohydrat.
Wer sich pflanzlich ernährt, startet mit niedrigeren Kreatin-Speichern, weil Fleisch als Quelle fehlt. Vegetarismus und Veganismus sind kein Ausschlussgrund, im Gegenteil: Diese Gruppen sprechen auf die Supplementation oft deutlicher an. Mit der Sättigung der Muskulatur bindet sich Wasser in der Muskelfaser. Das erklärt das schnelle Anfangsplus auf der Waage, es ist keine Nebenwirkung und kein Ödem unter der Haut.
Wie stark Kreatin wirkt, hängt vom Ausgangsspeicher und der Belastung ab. Für kurze, intensive Reize im Kraftsport zeigt sich der Effekt am deutlichsten, für reine Ausdauer kaum messbar. Auch das Alter spielt hinein: ältere Menschen und Menschen mit fleischarmer Ernährung profitieren in Studien oft stärker. Geduld bleibt wichtig, denn der Aufbau der Speicher im Muskel dauert Wochen, nicht Tage.
- ✓Belegt: Kreatin-Monohydrat steigert Kraft und Leistung im Krafttraining, sättigt die Muskulatur und wirkt über den Energiestoffwechsel.
- ✓Belegt: gesunde Erwachsene vertragen die tägliche Dosis in Studien über Jahre, ohne messbaren Schaden an der Niere.
- ○Offen: Die Wirkung auf Gehirn und Kognition ist vielversprechend, aber für gesunde Menschen noch nicht eindeutig belegt.